Der Kapitalbedarf für den Ausbau der erneuerbaren Energien oder der Kernkraft ist nach Einschätzung der Branche ca. drei bis viermal so hoch wie für klassische fossile Kraftwerke. Hohe Verschuldung und hoher Kapitalbedarf stellen nach Ansicht der Experten hohe Herausforderungen an die Versorgungsunternehmen.
Ausgerechnet die Energiekonzerne, die zu den größten Investoren in Europa zählen und wegen steigender Strompreise und erheblicher Milliardengewinne die Verbraucher gegen sich aufgebracht hatten, beklagen nun beschränkte finanzielle Spielräume. "Die Verschuldung der europäischen Energiekonzerne ist doppelt so hoch wie die durchschnittliche Verschuldung aller Industrieunternehmen", rechnete Teyssen vor. "Wir sind die am höchsten verschuldete Industrie auf Mutter Erde."
Mit solchen Warnungen senden die Stromerzeuger ein Signal an die Politik, die in zahlreichen Ländern nach Wegen sucht, an den Gewinnen der Konzerne teilzuhaben. Nennenswerte Margen gib es bei abgeschriebenen Kohlekraftwerken, deren Anteil wegen des hohen CO2-Ausstoßes aber reduziert werden soll.
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Wegen ihres langfristig angelegten und wenig volatilen Geschäftsmodells genießen die Stromkonzerne eine besonders hohe Kreditwürdigkeit. Nach der Einigung der deutschen Stromerzeuger mit der Bundesregierung auf eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke würden die Kreditrankings der Betreiber jetzt aber neu bewertet, sagte Teyssen: "Ob der Atomkompromiss in Deutschland unserer Kreditwürdigkeit schaden wird, weiß ich noch nicht. Fest steht, dass wir damit über die kommenden sechs Jahre weniger Erträge aus der Kernenergie haben werden. Hochgestuft werden wir damit ganz sicher nicht."
Dabei stehen die deutschen Versorger im Vergleich mit den großen Rivalen aus Europa und den USA finanziell noch relativ gut da. "Die Verschuldung der französischen und italienischen Konzerne ist noch deutlich höher", stellte Teyssen klar. "Noch größer ist das Problem der Unterfinanzierung aber in den USA, wo die Infrastruktur über viele Jahre vernachlässigt wurde."
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Probleme ergeben sich hohe Anforderungen an das Sachkosten-Management. Bei den signifikanten Investitionsvorhaben sind sowohl wichtige technologische Entscheidungen zu treffen als auch zukunftsgerichtete Einkaufsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. "Nach unserer Erfahrungen arbeiten Technik und Einkauf noch nicht in der zukünfitg notwendigen Weise zusammen" erklärt Dr. Schmidt von Dr. Schmidt & Collegen. "Durch eine Überwindung der Abgrenzung von technischen und kaufmännischen Funktionen, wie es beim Sachkosten-Management gegeben ist, lassen sich erhebliche Einsparungen erzielen". Dr. Schmidt & Collegen sind davon überzeugt, dass ein systematisches Sachkosten-Management geeignet ist, die Lücke zwischen Investitionsbedarf und Kapitalbedarf zu schliessen.
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